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01.10.2020 MH

Warum wir keine Amazon-Angebote mehr listen

Wir möchten unsere Ausführungen mit dem FAZ Artikel „Die Allmacht von Amazon“ beginnen, in dem bereits 2013 aus einer Rede des Amazon Gründers Jeff Bezos zitiert und resümiert wird: „Wer wie er vom lieben Gott mit mehr Hirn gesegnet sei als üblich, schloss Bezos aus dem Drama, habe im Leben die Wahl: seine Cleverness auszuspielen auf Kosten anderer oder seinen Nächsten zu lieben. Angesichts der aggressiven Wachstumsstrategie, die Bezos seit der Amazon-Gründung 1994 gegen alle Kritik exekutiert hat, keimte in der Kapelle in Princeton die Ahnung: Wer auch nur annähernd so erfolgreich sein will wie der Redner, sollte sich schleunigst für Lebensvariante eins entscheiden.“

Der Artikel ist unter den folgenden Link zu finden: Zur FAZ

Die Aussage eines der reichsten Männer dieser Welt impliziert, dass nur der Mensch reich und erfolgreich sein kann, der sich alles andere als Philanthrop verhält und im Zweifel „über Leichen“ geht. Dies allein wäre aus unserer Sicht schon Grund genug Herrn Bezos und sein Unternehmen zu boykottieren. Zeigen doch genug Menschen, dass wirtschaftlichen Denken und Handeln nicht zwangsläufig auch soziales Engagement ausschließen müssen. So einfach haben wir es uns aber nicht gemacht. Deshalb wollen nun detailliert begründen, warum wir uns entschieden haben, vorläufig keine Angebote von Amazon zu listen.

Einen enormen Erfolg, eine gewisse Innovationskraft und auch eine oft hervorragende Kundenorientierung kann man dem Amazon-Konzern in keinem Fall absprechen. Man wird nicht zu einem der größten Einzelhändler der Welt, wenn die Kunden nicht das Gefühl haben gut aufgehoben zu sein. Allein die Bestandteile des Amazon Prime sind und waren in Umfang und Leistung nahezu einzigartig und überzeugte auch uns jahrelang als Kunden. Man bedenke aber an dieser Stelle auch, dass es nicht einem einzelnen Mann gelingen kann ein solches Imperium aufzubauen. Es Bedarf in aller Regel einer Menge guter Mitarbeiter, um eine solche Innovationskraft und einen guten Service aufrecht zu erhalten. Eben jener „Anderen“, die Herr Bezos für seine Zwecke ausnutzen möchte.

Inzwischen ist das Unternehmen jedoch so groß geworden, dass es in vielen Bereichen einen Zustand eines Quasimonopolisten erreicht hat. Amazon ist heute in der Lage in vielen Bereichen seinen Mitbewerbern, Kunden und Kooperationspartnern Preise und Konditionen zu diktieren. Viele Kunden akzeptieren inzwischen, dass Amazon nicht die besten Preise bietet, weil allein durch den Prime-Service eine derart hohe Kundenbindung aufgebaut wurde, dass viele Konkurrenten kaum noch wahrgenommen werden. Durch den Amazon-Marktplatz geht das Unternehmen sogar noch einen Schritt weiter und macht einstige Konkurrenten zu „Mitarbeitern“ des Unternehmens. Denn durch jeden Verkauf der über den Amazon-Marktplatz zustande kommt, verdient das Unternehmen mit. Aus einem Anbieter wird so eine riesige Gruppe von Anbietern, die aber zum Wohle eines Einzigen agieren. Amazon hat somit ein kleines ebay im großen Ganzen geschaffen.

Vermarkter oder auch sogenannte Publisher von Amazons Angeboten (zu denen auch wir gehörten), übernehmen sogar inzwischen einen nicht unerheblichen Anteil am Marketing und Vertrieb. Dieses Prinzip ist im Markt nicht unüblich und wird teilweise über große Plattformen abgewickelt. Auch die Influencer in den sozialen Medien gehören zu diesen Marketinginstrumenten. Solange es im Markt genügend Angebot und Nachfrage gibt, stellt dies auch Marktwirtschaftlich kein Problem dar. Aber auch hier ist Amazon inzwischen so groß worden, dass man zwar auf die Dienste des Werbetreibenden nicht verzichten möchte, aber dennoch die Vergütungen bestimmen kann. Hier wird nicht mehr verhandelt, sondern getreu nach dem Motto „Friss oder Stirb“ diktiert. Kommt eine solche „Partnerschaft“ zustande, bestimmt auch hier das Amazon-Unternehmen, welcher Verkauf also solcher gewertet und entsprechend vergütet wird und welcher nicht. Kaum ein Unternehmen, welches sich auf die Vermarktung im Internet spezialisiert hat, kommt heute um die Angebote und Services von Amazon herum. Auch hier besteht nahezu eine marktbeherrschende Stellung.

Mit Produkten wie „Alexa“ tritt Amazon zudem den Datenschutz mit Füßen, wie in einem Artikel mit dem Titel „Alexa-Gutachten des Bundestages: Amazon hört auch Kindern und Gästen zu“ eindrucksvoll beschrieben wird. Ob dies nun mit oder ohne Einwilligung des Nutzers passiert ist eigentlich schon unerheblich, zumal oft AGBs und sonstige Bestimmungen von Kunden einfach abgenickt und nicht einmal zur Kenntnis genommen werden. Dies kann und wird langfristig folgen haben.

Nun könnten sich natürlich alle Kunden zurücklehnen und sagen: „Was interessiert mich das, solange ich meine Bestellungen am nächsten Tag zu den vermeintlich besten Preisen bekomme.“ Diese Haltung wäre sogar nachvollziehbar, ist aber leider auch sehr kurzsichtig. Und hier wollen wir nicht vom Massensterben der Einzelhändler in den Innenstädten sprechen. Dieses Argument ist zwar richtig, aber bei weitem nicht das einzige und vor allem inzwischen jedem bekannt. Es wäre auch nicht im Sinne einer freien Marktwirtschaft, würde hier regulierend eingegriffen werden. Schauen wir uns an, was passieren könnte, wenn o.g. Entwicklung sich weiter verschärft und Amazon es schafft, tatsächlich Monopolist im Einzelhandel zu werden.

Das Sterben des Einzelhandels geht weiter und immer mehr Kunden werden zukünftig nur noch in Ballungszentren in den diversen großen Malls entsprechende Läden finden. Doch auch hier, nicht zuletzt durch Corona, hat inzwischen eine „Bereinigung des Marktes“ stattgefunden. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass diese Bereinigung keine echte Marktbereinigung war, sondern durch - sagen wir - höhere Gewalt und die darauffolgenden Einschränkungen verursacht wurde. Letztlich wurde aber nur das Sterben des Einzelhandels und der Mittelschicht beschleunigt. Profitiert haben hier die verschiedenen Onlinehändler, die trotz allem ihren Verkauf aufrecht erhalten konnten. Wir behaupten an dieser Stelle aber, dass auch in dieser Situation ein bestimmtes Unternehmen überproportional von diesem Wachstum profitiert hat. Amazon. Somit beschleunigt sich auch hier einmal mehr die Konzentration hin zum Monopol.

In letzter Konsequenz wird das Unternehmen irgendwann Preise und Leistungen selbst bestimmen können, nicht nur im Verkauf, sondern auch im Ankauf. Dann werden auch zunehmend Produzenten unter diesen Bedingungen leiden, da sie außer Amazon kaum einen sinnvollen Vertriebs- und Absatzkanal haben werden. Letztendlich bestimmt Amazon dann Angebot und Nachfrage selbst, zu Preisen die dem Unternehmen gefallen, die aber nicht durch Angebot und Nachfrage zustande gekommen sind. Schon heute sind in vielen Bereichen die Margen so gering, dass auskömmliche Gewinne nur noch möglich sind, wenn entsprechende Massen abgesetzt werden oder die Produzenten nicht mehr kostendeckend arbeiten. In der Landwirtschaft wird dies teilweise durch Subventionen kompensiert. Bei beliebten Produkten wie Elektronik wird es diese Subvention aber nicht geben.

Und dabei haben wir noch nicht einmal die Seite der Arbeitnehmer beleuchtet. Das heißt, den Teil, der durch seine Arbeit erst in die Lage versetzt wird zu konsumieren. Wenn jedoch diese Arbeit auf einem Niveau entlohnt wird, wo lediglich die fixen monatlichen Kosten bedient werden können - wo sollen dann die Konsumenten herkommen? Somit sind die Kunden von heute die Arbeitnehmer von gestern. Kaufen wir als Kunden lediglich bei einem Unternehmen ein, gehen Vielfalt, Arbeitsplätze und Konkurrenz verloren. Wir verkonsumieren unsere eigenen Arbeitsplätze und machen im Endeffekt nur einen einzigen Menschen damit reich. Den Menschen, „der auf Kosten anderer“ reich geworden ist. Und somit schließt sich der Kreis zu unseren ersten Sätzen.

Natürlich wollen und müssen wir als Vermarkter verschiedener Produkte und als Unternehmen entsprechend Geld verdienen. Dies ist legitim und notwendig. Prinzipiell ist es uns hier auch egal, ob dem Kunden, also euch, das Produkt „AB“ oder „XY“ besser gefällt und bei welchem Anbieter ihr dieses Produkt kauft. Wir und hoffentlich auch ihr profitieren von unserem Service am Kunden. Wir suchen euch die besten Technik-DEALS und ihr entscheidet, ob sie zu euren Bedürfnissen passen oder nicht. Durch unseren Youtube-Kanal zeigen wir euch die Eigenschaft der Produkte und geben euch eine Einschätzung unsererseits von den Vor- und Nachteilen. Somit fördern wir die Kommunikation zu euch, also dem Kunden der Anbieter und fördern gleichzeitig die Konkurrenz der verschiedenen Marktteilnehmer untereinander. Im besten Fall profitiert ihr von der besten Qualität zum besten Preis, der Anbieter vom Absatz seiner Produkte und wir von der Vermittlung.

Es kann also weder in unserem noch in eurem Interesse sein, dass wir irgendwann nur noch einen einzigen Anbieter und Händler haben. Auch den Produzenten von Produkten kann nicht daran gelegen sein. Wir verzichten an dieser Stelle lieber auf die Klicks und die Vergütungen, denn all das sind die Gründe, warum wir uns entschieden haben, vorerst die Angebote von Amazon nicht mehr zu listen. Wir hoffen auf euer Verständnis und sind überzeugt davon, dass wir und ihr die Einzigen sind, die dafür sorgen können, dass Einkaufen auch morgen noch Spaß macht.